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Geschichte des Taekwon-Do
Meist verkünden Texte über Taekwon-Do, diese Kunst sei „Tausende von Jahren alt“, aber dem ist einfach nicht so. Die meisten Kampfkünste, die vor dem 19. Jahrhundert in Korea praktiziert wurden, waren Nachahmungen chinesischer Kampfkünste (Quan-Fa = Kungfu, wie es in der westlichen Welt genannt wird) . Die drei häufigsten angesprochenen Beweise für die antike Vergangenheit des Taekwon-Do – die Grabmalereien von Goguryeo, die Keumgang-Statuen sowie das „Muye Dobo Tongji“ von 1790 – zeigen nämlich, dass frühere koreanische Kampfkünste ihren Ursprung weitgehend in China hatten.
Die chinesischen Kampfkünste waren besonders in der Tang-Dynastie gefragt, und daher wird Kwonbop (= korean. Kung-Fu) manchmal als Tang-Soo („Tang-Hand“) bezeichnet. Diese große Bekanntheit fand auch in dem aus Okinawa stammenden Karate seinen Ausdruck, weil Karate ursprünglich „Tang-Hand“ bedeutet.. Eine dritte Bezeichnung für chinesische Kampfkünste war Soobak („schlagende Hand“), aber Kwon-Bop war von allen Bezeichnungen die häufigste.
Die einzigen original koreanischen Kampfkünste vor dem 20. Jahrhundert waren Ssireum und Taekkyon. Keiner von beiden hatte großen Einfluss auf die frühe Entwicklung des Taekwon-Do. Ssireum ist eine Art Ringen oder Wrestling, das als Sport im 13. Jahrhundert beliebt war.
Taekkyon tauchte im frühen 19. Jahrhundert auf, also um dieselbe Zeit, als chinesische Kampfkünste an Popularität einbüßten. Es ist eine Kunst, die in seiner modernen Form vorwiegend kreisende Tritte, Fußfeger und andere Kick Techniken, gefolgt von einem Wurf, enthält. Scheinbar gibt es zwischen modernem Taekkyon und modernem Taekwondo eine Verbindung, denn beide Arten bevorzugen kreisende Tritte (Rundkicks, Drehkicks) vor geraden Tritten (Seitwärtstritt, Vorwärtstritt). Bis in die 1960er Jahre war jedoch kein Einfluss des Taekkyon auf Taekwondo-Techniken festzustellen.
In der Frühzeit des Taekwon-Do war es fast nicht unterscheidbar von der Kampfkunst, aus der es entstanden ist, nämlich dem aus Okinawa stammenden Karate-Do (das bedeutete ursprünglich „Weg der Tang-Hand“( auf Okinawa), später zum „Weg der leeren Hand“ (ab 1933 in Japan) von Gichin Funakoschi geändert.
Korea war ab 1909 japanisch besetzt. Die Besatzungsmacht Japan ging sehr hart gegen die koreanische Bevölkerung vor. Brauchtum und koreanische Kultur wurden verboten, man musste die japanische Sprache erlernen, ja sogar japanische Namen annehmen. Die Kampfkünste waren auch verboten worden. Koreaner wurden in die japanische Armee gedrängt oder oft zur Zwangsarbeit nach Japan verschleppt. Wer eine Ausbildung genießen wollte musste sich mit allem Japanischem arrangieren. So gingen auch viele Koreaner nach Japan um dort zu studieren oder eine anderweitige Ausbildung zu absolvieren. Einer von ihnen war der zukünftige koreanische General Choi Hong-Hi. Er erlernte dort Karate, auch unter Meister Gichin Funakoschi und erlangte den 2. DAN an der Tokyo University
Im Laufe des 2. Weltkrieges wurde 1943 das Kampfkunstverbot in Korea aufgehoben, allerdings durften nur Koreaner die in den Ordnungskräften oder in der Armee waren diese ausführen.
Noch während des 2. Weltkrieges öffnete Meister Won Kuk Lee das Chung Do Kwan (= Kampfkunsthalle der blauen Welle). Weitere Kwans (= Kampfkunstschulen) folgten:
Meister Hwang Ki mit Mu Duk Kwan (= Halle der Kampftugenden),
Meister Chun Sang-Sup mit Yun Mu Kwan (später in Jido-Kwan = Weg der Weisheit umbenannt) ,
Meister Yoon Byung-In mit Chang Mu Kwan (= Schule zur Entwicklung der Kampfkunst),
Meister Ro Byung-Jik mit Song Mu Kwan (abgeleitet von „Song Do Kwan“, der koreanischen Aussprache des japanischen Shōtōkan)
Vier der Kwan-Gründer waren in Japan in Karate-Do ausgebildet worden. Nur Hwang-Ki soll in der Mandschurei einen chinesischen Stil erlernt haben. Ihre Stilrichtungen trugen unterschiedliche Namen wie Kong Soo Do, Tang Soo Do, Kwon Bop oder Soo Bak Do.
Das koreanische Tang Soo Do („Weg der Tang-Hand“) und Kong Soo Do („Weg der leeren Hand“) der späten 1940er Jahre war eine direkte Übersetzung der vorgenannten okinawischen und japanischen Bezeichnungen. Auch der Name Tae Soo Do („Weg der Kick-Hand“) wurde Anfang der 1950er eingeführt. Im Jahr 1955 wurde Tae Soo Do in Taekwon-Do umbenannt, hierbei war maßgeblich General Choi Hong Hi dafür verantwortlich. Er war es auch, der Taekwon-Do systematisierte und die erste koreanische Formenschule „Chang-Hon-Yu“ (=Hyong auf jap. Kata) mit seinen Meisterschülern entwarf. Man wollte damit eine reine koreanische Bezeichnung wählen, die nicht mehr auf die Bezeichnungen aus China, Okinawa und Japan hinweist. Mitte der 1960er Jahre wurde Taekwon-Do durch ein von ihm geleitetes Großmeisterteam in der ganzen Welt bekannt. In Deutschland wurde Taekwon-Do der Öffentlichkeit zum ersten mal 1965 durch dieses Team vorgestellt.
Zur Zeit gibt es drei hauptsächliche Stilrichtungen Traditionelles Taekwon-Do, ITF Taekwon-Do und WT Taekwondo, die Unterschiede in der Technikausführung und der Formenschule aufweisen.
Wer tiefer in die Geschichte eindringen will, dem sei folgende Website empfohlen www.toedliche-kunst.de/das-buch (Autor Dr. Thomas Kuklinski-Rhee) auch die Texte von Dakin Burdick, von 1996, Aus den Gründerjahren des Taekwondo (orig. „People and Events of T’aekwondo’s Formative Years) übersetzt von Thomas Kuklinski-Rhee, Seoul, Südkorea, 2005 sind äußerst lesenswert.